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Olivenfliege biologisch bekämpfen in unseren Hainen

Marc Mayer Olivenbauer auf dem Peloponnes Griechenland Marc Mayer | 10.06.2026

Die Olivenfliege (Olivenfruchtfliege oder Bactrocera oleae) ist der bedeutendste Schädling im Olivenanbau des Mittelmeerraums. In Griechenland wird sie Dakos genannt. Sie gefährdet Erntemenge als auch Qualität der Oliven. Chemische Pestizide setzen wir nicht ein. Stattdessen schützen wir unsere Oliven mit Lockstofffallen und Kaolin. Wie das in der Praxis aussieht, zeigen wir in diesem Ratgeber.

Eine gläserne Kontrollfalle mit Notizzettel zur Überwachung der Olivenfliege hängt im Geäst eines Koroneiki-Olivenbaums.
Durch den Einsatz von Prüffallen und regelmäßige Kontrollen erhalten wir Informationen darüber, wie sich die Population der Olivenfliege im Hain entwickelt

Die wichtigsten Schädlinge im Olivenhain und Auswirkungen auf das Olivenöl

Im professionellen Olivenanbau auf dem Peloponnes stehen für uns vor allem zwei Schädlinge im Mittelpunkt:

  • Olivenfliege (Bactrocera oleae)
  • Olivenmotte (Prays oleae)

Warum die Olivenfliege die Qualität des Öls gefährdet

Am meisten schaden uns die Olivenfruchtfliegen. Die Weibchen stechen die Koroneiki Oliven an und legen ihre Eier in die Frucht. Nach dem Schlüpfen ernähren sich die Larven vom Fruchtfleisch und schädigen die Olive von innen. Dadurch fallen viele Früchte vorzeitig ab und der Ernteertrag sinkt.

Besonders die Qualität des Olivenöls leidet darunter. Durch den Befall kann der Anteil freier Fettsäuren im Öl deutlich ansteigen. Liegt der Säurewert über 0,8 Prozent, erfüllt das Öl nicht mehr die Kriterien für natives Olivenöl extra.

Die ersten Olivenfliegen treten in unserer Region meist im späten Frühling auf. Über den Sommer hinweg vermehrt sich die Population weiter und erreicht im Spätsommer und Herbst oft ihren Höhepunkt.

Die Vermehrung hängt stark von der Witterung ab. Während längere Hitzeperioden über 40 °C ihre Entwicklung bremsen, begünstigen feuchte Jahre ihre Ausbreitung.

Die Olivenmotte

Neben der Olivenfliege spielt auch die Olivenmotte eine Rolle. Sie tritt vor allem während der Blütezeit im März und April auf. Die Motten legen ihre Eier an die geschlossenen Blütenknospen. Nach dem Schlüpfen fressen sich die Larven durch die Blütenstände und beschädigen dabei die empfindlichen Blütenstiele. Dadurch fallen viele Blüten frühzeitig ab und es entwickeln sich deutlich weniger Früchte.

Weitere Krankheiten und Schädlinge im Olivenanbau
Zu den weiteren Problemen im Olivenanbau gehören die Olivenschildlaus, bakterielle Erkrankungen wie die Tuberkelkrankheit (Olivenknoten) sowie Pilze wie der polsterförmige Feuerschwamm. Große Aufmerksamkeit gilt zudem dem Feuerbakterium Xylella fastidiosa, das in Teilen Südeuropas ganze Olivenhaine zum Absterben gebracht hat.

Natürliche Feinde der Olivenfliege

Wie kann man die Olivenfliege natürlich bekämpfen?

Wer auf Pestizide verzichten will, braucht ein funktionierendes Ökosystem im Hain. Verschiedene Nützlinge wie Vögel, Spinnen und räuberische Insekten helfen dabei, die Population der Bohrfliegen (zu denen die Olivenfruchtfliege gehört) zu regulieren. Besonders effektiv sind Schlupfwespen, welche die Larven der Fliege direkt befallen und so deren Vermehrung auf natürliche Weise begrenzen.

Ein dichter Bewuchs zwischen den Olivenbäumen würde diesen Tieren zusätzlichen Lebensraum bieten. In unserer Region auf dem Peloponnes müssen die Flächen jedoch aus Brandschutzgründen spätestens im Mai gemäht werden. Dadurch verschwindet ein großer Teil der Vegetation im Sommer und der Lebensraum vieler Nützlinge wird eingeschränkt.

Ökologischer Olivenanbau: Wie wir die Olivenfliege natürlich bekämpfen

Bevor wir mit Bekämpfungsmaßnahmen beginnen, beobachten wir zunächst die Entwicklung der Olivenfliege. Zu Beginn der Fruchtbildung im Juni hängen wir dafür vereinzelt Kontrollfallen in den Bäumen auf, um die Population im Hain festzustellen.

In unseren Olivenhainen kommen keine chemischen Pestizide zum Einsatz, stattdessen setzen wie auf natürliche Maßnahmen, um die Fliege zu kontrollieren:

  • Pheromonfallen & Lockstofffallen zur Reduzierung
  • Olivenfliege mit Kaolin bekämpfen
  • Luftzirkulation in den Olivenbäumen
  • Frühzeitige Olivenernte
Nahaufnahme einer hellgrünen Lockstofffalle im Olivenhain mit gefangenen Olivenfliegen und Olivenmotten in einer Lockstofflösung
Monitoring im Öko-Anbau: Mit natürlichen Lockstofffallen überwachen wir die Populationsdichte von Olivenfruchtfliege (Dakos) und Olivenmotte für gezielte Schutzmaßnahmen.

Pheromonfallen & Lockstofffallen zur Reduzierung der Olivenfliege

Eine wichtige Maßnahme sind Lockstofffallen, die wir an jedem zweiten Baum aufhängen. Dabei handelt es sich um kleine Gefäße mit mehreren Öffnungen. Im Inneren befindet sich ein Lockstoff auf Ammoniakbasis, der sowohl männliche als auch weibliche Olivenfruchtfliegen anzieht. Gelangen die Fliegen in die Falle, finden sie nicht mehr hinaus.

Je nach Aktivität kontrollieren wir die Fallen wöchentlich, in intensiven Phasen sogar alle zwei Tage.


Unterschied zwischen Pheromonfallen und Proteinködern
 Während reine Pheromonfallen nur männliche Olivenfliegen anlocken, wirken Proteinköder auf die gesamte Population. Diese Lockstoffe auf Basis von Fisch oder anderen proteinreichen Substanzen ziehen sowohl Männchen als auch die eierlegenden Weibchen an und reduzieren so den Befall im Hain.

Olivenfruchtfliege mit Kaolin bekämpfen

Zum Schutz der Oliven setzen wir außerdem Kaolin (Porzellanerde) ein, ein fein vermahlenes natürliches Mineral. Das Mineral wird mit Wasser vermischt und auf die Bäume gesprüht. Nach dem Trocknen bleibt ein feiner weißer Film auf Blättern und Früchten zurück.

Dieser Film wirkt als physikalische Barriere und erschwert es der Olivenfliege, die Früchte zur Eiablage anzustechen. Im Gegensatz zu chemischen Insektiziden wirkt Kaolin rein mechanisch. In manchen Jahren sind bis zu drei Anwendungen nötig, weil Regen den Schutzfilm teilweise wieder abwäscht.

Luftzirkulation in den Olivenbäumen

Dicht gewachsene Baumkronen halten Feuchtigkeit nach Tau oder Regen lange im Bauminneren. Dieses feuchte Mikroklima begünstigt Pilzkrankheiten und Schädlinge wie die Olivenfruchtfliege. Ein gezielter Rückschnitt ist deshalb ein wichtiger Teil unserer vorbeugenden Schädlingsbekämpfung.

Das erste Auslichten erfolgt bereits während der Ernte im November, indem wir stark tragende Äste entfernen. Nach der Blüte im Mai lichten wir die Baumkronen ein weiteres Mal aus. Dabei schneiden wir vor allem nach innen wachsende Äste und senkrechte Wassertriebe.

Dadurch gelangen mehr Sonnenlicht und Luft in die Krone, was die Luftzirkulation verbessert und Blätter sowie Früchte schneller abtrocknen lässt. Gleichzeitig können wir die Bäume im Inneren besser kontrollieren und biologische Mittel wie Kaolin erreichen die Pflanzenteile deutlich besser.

Frühzeitige Olivenernte

In Jahren mit starkem Befall beginnen wir früher mit der Olivenernte und warten nicht bis zur optimalen Erntereife. Dies erhält die Ölqualität, verhindert hohe Säurewerte und sorgt gleichzeitig für einen höheren Polyphenolgehalt. Vorzugsweise nutzen wir dafür die Tage nach einem Sturm, da durch den Wind stark beschädigte Oliven bereits vom Baum fallen.

Fazit: Unsere Strategie für ökologischen Olivenanbau

Die Olivenfruchtfliege bleibt eine der größten Herausforderungen im Olivenanbau. Entscheidend ist deshalb nicht, sie vollständig zu beseitigen, sondern ihren Befall früh zu erkennen und gezielt zu begrenzen.

Durch regelmäßige Kontrolle der Bestände und natürliche Maßnahmen wie Lockstofffallen, Kaolin-Behandlungen, Lüftungsschnitt und angepasste Erntezeitpunkte versuchen wir, die Population zu reduzieren und die Qualität unserer Oliven zu schützen.